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Budget für das nächste Geschäftsjahr: So planen KMU im Herbst

Erfolgs-, Investitions- und Liquiditätsbudget in der Praxis
19. August 2026 durch
Budget für das nächste Geschäftsjahr: So planen KMU im Herbst
Thomas Angehrn
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Das Wichtigste in Kürze: Budgetieren Sie zwischen September und November, wenn die Ist-Zahlen vorliegen: Erfolgsbudget (Umsatz aus Menge mal Preis, fixe und variable Kosten inkl. voller Lohnnebenkosten), Investitionsbudget und monatliches Liquiditätsbudget. Zwei bis drei Szenarien genügen – entscheidend ist der regelmässige Soll-Ist-Vergleich.

Der Herbst ist die klassische Planungszeit im Schweizer KMU: Die Zahlen der ersten Jahreshälfte liegen vor, das laufende Jahr lässt sich zuverlässig hochrechnen – und für das kommende Geschäftsjahr bleibt noch genügend Zeit, um Preise, Personal und Investitionen bewusst zu steuern. Wer erst im Januar plant, plant zu spät. Dieser Beitrag zeigt, wie Sie ein Budget aufbauen, das im Alltag tatsächlich verwendet wird.

Wozu braucht ein KMU überhaupt ein Budget?

Ein Budget ist kein Selbstzweck und keine Prognose, die am Jahresende „stimmen" muss. Es ist ein Führungsinstrument: Sie legen fest, welches Ergebnis Sie anstreben und welche Mittel Sie dafür einsetzen. Der Nutzen zeigt sich im Verlauf des Jahres.

  • Frühwarnung: Abweichungen fallen im Monatsvergleich auf, nicht erst im Jahresabschluss.
  • Entscheidungsgrundlage: Eine Neuanstellung oder eine Maschine lässt sich vorher durchrechnen statt nachher rechtfertigen.
  • Verhandlungsposition: Banken, Leasinggeber und Investoren erwarten bei Finanzierungen eine plausible Planung.
  • Klarheit im Team: Wer Zielumsätze und Kostenrahmen kennt, entscheidet im Tagesgeschäft anders.

Wann sollte man mit der Budgetierung beginnen?

Bei einem Geschäftsjahr, das dem Kalenderjahr entspricht, ist die Zeit von September bis November ideal. Dann liegen acht bis zehn Monate Ist-Zahlen vor, und Lohnrunden, Mietanpassungen, Versicherungsprämien oder Abo-Verträge für das Folgejahr sind meist bereits absehbar. Verschiebt sich die Planung in den Dezember, entsteht sie erfahrungsgemäss unter Zeitdruck und bleibt oberflächlich.

Voraussetzung ist eine aktuelle Buchhaltung. Wer im Oktober noch Belege vom Frühling erfasst, budgetiert auf unsicherer Basis. Eine laufend geführte Buchhaltung ist damit die eigentliche Grundlage jeder Planung.

Wie ist ein Budget aufgebaut?

Für die meisten KMU genügen drei aufeinander aufbauende Teile. Wichtig ist die Reihenfolge: Erfolg zuerst, Liquidität danach.

TeilbudgetBeantwortet die FrageTypischer Inhalt
ErfolgsbudgetWelchen Gewinn erwarte ich?Umsatz, Material-/Warenaufwand, Personal, Raum, Verwaltung, Abschreibungen
InvestitionsbudgetWas schaffe ich an – und woraus finanziere ich es?Fahrzeuge, Einrichtung, IT, Umbauten, geplante Finanzierung
LiquiditätsbudgetBin ich jederzeit zahlungsfähig?Zahlungseingänge und -ausgänge pro Monat, inkl. MWST, Sozialversicherungen, Steuern

Der Unterschied zwischen Erfolg und Liquidität wird oft unterschätzt: Ein profitables Geschäftsjahr kann trotzdem zu Engpässen führen, wenn Kunden spät zahlen, Ware vorfinanziert wird oder eine Investition in einem einzigen Monat abfliesst. Eine rollende Vorschau ergänzt das Budget deshalb sinnvoll.

Umsatz realistisch planen

Planen Sie den Umsatz nicht als eine Zahl, sondern aus Mengen und Preisen: Anzahl Aufträge, Behandlungen, Kunden oder Stunden – multipliziert mit dem durchschnittlichen Erlös. So wird sichtbar, ob ein Wachstumsziel überhaupt mit den vorhandenen Kapazitäten erreichbar ist. Berücksichtigen Sie Saisonalität und Betriebsferien; ein Zwölftel des Jahresumsatzes pro Monat ist in den wenigsten Branchen realistisch.

Kosten differenziert erfassen

Trennen Sie fixe von variablen Kosten. Fixkosten wie Miete, Grundlöhne oder Versicherungsprämien fallen unabhängig vom Umsatz an – sie bestimmen, wie viel Umsatz Sie mindestens erreichen müssen. Variable Kosten wie Material, Fremdleistungen oder umsatzabhängige Provisionen skalieren mit. Beim Personal gehören die Arbeitgeberbeiträge (AHV/IV/EO, ALV, BVG, UVG, allenfalls Krankentaggeld und FAK) zwingend dazu; je nach Vorsorgelösung und Löhnen liegt der Zuschlag spürbar über dem Bruttolohn.

Steuern und Abgaben nicht vergessen

Typische Lücken in KMU-Budgets sind die Mehrwertsteuer (sie ist durchlaufend, belastet aber die Liquidität zum Abrechnungstermin), Akontozahlungen der Sozialversicherungen, Gewinn- und Kapitalsteuern sowie Bonus- und Ferienguthaben, die erst später ausbezahlt werden. Auch Prämienanpassungen bei den Geschäftsversicherungen und Gebühren für Kartenzahlungen gehören sauber ins Budget – gerade im Detailhandel und in der Gastronomie summieren sich Letztere über das Jahr.

Wie viele Szenarien sind sinnvoll?

Zwei bis drei genügen. Rechnen Sie neben dem erwarteten Fall eine vorsichtige Variante (zum Beispiel zehn bis fünfzehn Prozent weniger Umsatz bei gleichbleibenden Fixkosten) und optional eine Wachstumsvariante. Entscheidend ist die Frage: Ab welchem Umsatzrückgang wird es eng – und welche Massnahme ziehen Sie dann wann? Diese Vorüberlegung ist im Ernstfall mehr wert als das Budget selbst.

Wie wird aus dem Budget ein Steuerungsinstrument?

Ein Budget entfaltet seine Wirkung erst im Soll-Ist-Vergleich. Empfehlenswert ist ein fester monatlicher oder quartalsweiser Termin, an dem Sie die wichtigsten Positionen gegenüberstellen und nur die relevanten Abweichungen kommentieren.

  • Budget in der Buchhaltungssoftware hinterlegen, statt in einer separaten Tabelle zu pflegen – so entfällt das manuelle Zusammentragen.
  • Auf wenige Kennzahlen konzentrieren: Umsatz, Bruttomarge, Personalaufwandquote, Ergebnis, Liquidität.
  • Abweichungen über einer definierten Schwelle (z. B. fünf Prozent oder ein fixer Frankenbetrag) begründen – der Rest bleibt unkommentiert.
  • Das Budget nicht laufend „nachbessern": Wer die Zielwerte ständig anpasst, verliert den Massstab. Grössere Änderungen gehören in eine dokumentierte Neuplanung.

Moderne ERP- und Buchhaltungssysteme liefern solche Auswertungen automatisch; die Einrichtung lohnt sich meist bereits im ersten Jahr. Wie sich Planung und Reporting sinnvoll digitalisieren lassen, klären wir im Rahmen unseres IT-Consultings.

Fazit

Ein brauchbares Budget ist kein umfangreiches Zahlenwerk, sondern eine nachvollziehbare Rechnung mit klaren Annahmen: geplanter Umsatz aus Menge mal Preis, sauber getrennte Fix- und Variabelkosten, die vollen Lohnnebenkosten, Investitionen mit Finanzierung und eine monatliche Liquiditätsvorschau. Beginnen Sie im Herbst, arbeiten Sie mit zwei bis drei Szenarien und vergleichen Sie unterjährig konsequent Soll und Ist. Wenn Sie Ihre Planung für das kommende Geschäftsjahr aufbauen oder auf eine belastbare Basis stellen möchten, kontaktieren Sie uns – wir begleiten Sie von der Budgetstruktur bis zum laufenden Reporting.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung.

Häufige Fragen

Wann sollte ein KMU das Budget für das nächste Jahr erstellen?

Bei einem Geschäftsjahr gleich Kalenderjahr ist September bis November ideal. Dann liegen acht bis zehn Monate Ist-Zahlen vor, und Löhne, Mieten, Prämien und Verträge für das Folgejahr sind bereits absehbar.

Was gehört alles in ein KMU-Budget?

Ein Erfolgsbudget mit Umsatz und Aufwand, ein Investitionsbudget mit geplanten Anschaffungen und deren Finanzierung sowie ein monatliches Liquiditätsbudget mit allen Ein- und Auszahlungen, inklusive Mehrwertsteuer, Sozialversicherungen und Steuern.

Was ist der Unterschied zwischen Budget und Liquiditätsplanung?

Das Budget zeigt den erwarteten Erfolg einer Periode, also Ertrag abzüglich Aufwand. Die Liquiditätsplanung zeigt, wann Geld tatsächlich ein- und ausgeht. Ein Unternehmen kann profitabel sein und trotzdem in einen Zahlungsengpass geraten.

Wie oft sollte man Budget und Ist-Zahlen vergleichen?

Monatlich oder mindestens quartalsweise. Kommentiert werden nur Abweichungen über einer vorab definierten Schwelle; das Budget selbst sollte nicht laufend nachjustiert werden, sonst verliert es seine Funktion als Massstab.

Budget für das nächste Geschäftsjahr: So planen KMU im Herbst
Thomas Angehrn 19. August 2026
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