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Unterversicherung im KMU erkennen: Der Policen-Check vor dem Jahreswechsel

Warum Versicherungssummen mit dem Betrieb mitwachsen müssen
24. August 2026 durch
Unterversicherung im KMU erkennen: Der Policen-Check vor dem Jahreswechsel
Thomas Angehrn
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Das Wichtigste in Kürze: Unterversicherung bedeutet, dass die Versicherungssumme tiefer ist als der tatsächliche Wert – der Versicherer kürzt dann jeden Schaden anteilsmässig, auch kleine. Prüfen Sie Inventar, Warenlager, Haftpflicht und Lohnsummen jährlich; Kündigungen für Verträge mit Ablauf 31. Dezember sind meist bis Ende September nötig.

Viele Schweizer KMU zahlen jahrelang brav ihre Versicherungsprämien – und stellen erst im Schadenfall fest, dass die Entschädigung deutlich tiefer ausfällt als erwartet. Der Grund ist fast immer derselbe: Unterversicherung. Der Betrieb ist gewachsen, die Versicherungssummen sind es nicht. Der Herbst ist der richtige Moment, das zu korrigieren, denn die meisten Verträge laufen auf den 31. Dezember aus und müssen entsprechend früh angepasst oder gekündigt werden.

Was bedeutet Unterversicherung genau?

Unterversicherung liegt vor, wenn die in der Police vereinbarte Versicherungssumme tiefer ist als der tatsächliche Wert der versicherten Sachen. Das Schweizer Versicherungsvertragsgesetz (VVG) sieht für diesen Fall die sogenannte Proportionalregel vor: Der Versicherer haftet nur im Verhältnis der Versicherungssumme zum wirklichen Wert.

Wichtig ist der oft missverstandene Punkt: Die Kürzung greift auch bei kleinen Schäden. Es ist nicht so, dass erst Beträge oberhalb der Versicherungssumme unbezahlt bleiben.

Ein Rechenbeispiel

  • Versichertes Betriebsinventar gemäss Police: 200'000 Franken
  • Tatsächlicher Wert von Einrichtung, Geräten und Warenlager: 400'000 Franken
  • Wasserschaden im Lager: 60'000 Franken

Weil nur die Hälfte des Werts versichert ist, wird auch nur die Hälfte des Schadens ersetzt – rund 30'000 Franken statt 60'000. Die Differenz trägt das Unternehmen selbst. Genau dieser Betrag fehlt dann in der Liquidität, meist zum schlechtestmöglichen Zeitpunkt.

Wo entsteht Unterversicherung im KMU am häufigsten?

Unterversicherung ist selten das Ergebnis von Nachlässigkeit, sondern von Wachstum. Typische Auslöser:

  • Neue Investitionen: Maschinen, Kassensysteme, Einrichtung oder IT wurden angeschafft, die Police aber nie erhöht.
  • Gewachsenes Warenlager: Besonders bei Handel und Gastronomie schwankt der Lagerwert stark – massgebend ist der Höchststand, nicht der Durchschnitt.
  • Umbauten und Mieterausbauten: Investitionen in gemietete Räume sind oft weder in der Gebäude- noch in der Inventarversicherung erfasst.
  • Betriebsunterbruch: Hier zählt nicht der Sachwert, sondern der Deckungsbeitrag – und die Haftzeit. Eine zu kurze Haftzeit wirkt wie eine Unterversicherung.
  • Haftpflicht-Deckungssummen: Sie stammen häufig noch aus der Gründungszeit und passen nicht mehr zum heutigen Auftragsvolumen.
  • Personalbestand: Lohnsummen für UVG und Krankentaggeld werden nicht nachgemeldet.

Eine saubere, aktuelle Buchhaltung ist dabei die beste Grundlage für den Check: Anlagenspiegel, Inventarliste und Bruttolohnsumme liefern die Zahlen, die der Versicherer wissen will. Wer hier auf dem Laufenden ist, kann Deckungen realistisch bemessen – ein Nebeneffekt einer professionell geführten Buchhaltung, den viele unterschätzen.

Wie prüfen Sie Ihre Versicherungssummen richtig?

Gehen Sie Deckung für Deckung vor und halten Sie fest, auf welcher Grundlage die Summe einmal festgelegt wurde:

DeckungMassstab für die SummeTypischer Stolperstein
Betriebsinventar / FahrhabeNeuwert der Einrichtung und GeräteEs wird vom Buchwert statt vom Neuwert ausgegangen
WarenlagerHöchstwert im JahresverlaufSaisonspitzen werden nicht berücksichtigt
BetriebsunterbruchDeckungsbeitrag plus passende HaftzeitHaftzeit zu kurz für einen Wiederaufbau
BetriebshaftpflichtRisiko und AuftragsgrösseSumme seit der Gründung nie angepasst
Krankentaggeld / UVGAktuelle BruttolohnsummePersonalwachstum nicht gemeldet

Prüfen Sie zusätzlich, ob Ihre Police eine Verzichtsklausel auf die Unterversicherung oder eine automatische Summenanpassung enthält. Solche Klauseln entschärfen das Problem, gelten aber meist nur bis zu einer bestimmten Grenze. Eine Übersicht über die Deckungen, die für Schweizer Betriebe tatsächlich relevant sind, finden Sie auf unserer Seite zur Geschäftsversicherung.

Bis wann müssen Sie Verträge anpassen oder kündigen?

Hier trennen sich zwei Wege, die man nicht verwechseln sollte:

  • Erhöhung der Versicherungssumme: Das ist in der Regel jederzeit während der Laufzeit möglich – der Versicherer stellt einen Nachtrag aus. Warten Sie damit nicht auf den Jahreswechsel.
  • Wechsel oder Kündigung: Dafür gelten die vertraglichen Fristen. Bei Verträgen, die auf den 31. Dezember auslaufen, ist die Kündigung typischerweise drei Monate vorher fällig – also Ende September. Mehrjahresverträge lassen sich oft nur auf bestimmte Stichtage kündigen.

Nehmen Sie deshalb jetzt die Policen hervor und notieren Sie zu jedem Vertrag Ablaufdatum und Kündigungsfrist. Wer erst im Dezember beginnt, verliert ein ganzes Jahr. Für die private Seite – Vorsorge, Vermögen, persönliche Absicherung – lohnt sich derselbe jährliche Rhythmus; dazu beraten wir Sie im Rahmen der privaten Beratung.

Und wenn Sie überversichert sind?

Das andere Extrem kostet ebenfalls Geld – allerdings laufend. Eine zu hohe Versicherungssumme führt nicht zu einer höheren Entschädigung, denn ersetzt wird immer nur der tatsächliche Schaden. Sie zahlen also Prämie für eine Leistung, die Sie nie erhalten. Häufig sind es Doppeldeckungen: Rechtsschutz, Cyber oder Elektronikversicherung sind teilweise schon in einer bestehenden Police enthalten.

Fazit

Unterversicherung merkt man nicht an der Prämie, sondern erst im Schadenfall – und dann trifft sie den Betrieb dort, wo es weh tut. Ein strukturierter Policen-Check einmal pro Jahr, gestützt auf aktuelle Zahlen aus der Buchhaltung, ist schnell erledigt und verhindert böse Überraschungen. Wichtig ist die Reihenfolge: erst die Werte ermitteln, dann die Summen vergleichen, dann die Fristen prüfen. Wenn Sie Ihre Deckungen gemeinsam mit uns durchgehen möchten, nehmen Sie Kontakt auf – wir schauen die Policen zusammen mit Ihren Zahlen an, nicht losgelöst davon.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung.

Häufige Fragen

Was passiert bei Unterversicherung im Schadenfall?

Der Versicherer entschädigt nur im Verhältnis von Versicherungssumme zu tatsächlichem Wert. Ist nur die Hälfte des Werts versichert, wird auch nur rund die Hälfte des Schadens ersetzt – unabhängig davon, wie klein der Schaden ist.

Wie hoch muss die Versicherungssumme für das Betriebsinventar sein?

Massgebend ist in der Regel der Neuwert von Einrichtung, Geräten und Warenlager, nicht der Buchwert aus der Bilanz. Beim Warenlager zählt der Höchstwert im Jahresverlauf, nicht der Durchschnitt.

Kann ich die Versicherungssumme während der Vertragslaufzeit erhöhen?

Ja, eine Erhöhung ist meist jederzeit über einen Vertragsnachtrag möglich. Nur für einen Wechsel oder eine Kündigung müssen Sie die vertraglichen Fristen einhalten – häufig drei Monate vor Ablauf.

Bringt eine zu hohe Versicherungssumme mehr Sicherheit?

Nein. Ersetzt wird immer nur der tatsächlich entstandene Schaden. Eine Überversicherung erhöht lediglich die Prämie und lohnt sich nicht.

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Thomas Angehrn 24. August 2026
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